Hauterkrankungen- und Verfärbungen in der Wundversorgung


Stauungsdermatitis 

Definition: Ist eine Form des Ekzems, welche überwiegend an den Unterschenkeln auftritt.

Ursachen: Hauptursache ist eine schlechte Durchblutung in Kombination mit Ödemen welche durch verschiedene Grundkrankheiten hervorgerufen werden kann. z.B. CVI, Herzinsuffizienz, Ödeme 

Diagnostik:

- klinische Untersuchung um Charakteristische Hautveränderung zu Identifizieren

- Diagnostik und Symptome (Grunddiagnosen)

- Patientengespräch

- Bildgebende Verfahren wie Ultraschall

Symptome:

  • Rötung und Schwellung der Haut
  • Trockene und Juckende Haut
  • Bildung von Schuppen und Verdickung der Haut
  • bis hin zu Ulzerationen welche sich infizieren können

Behandlung:

Beheben und behandeln der Grundursachen, in diesem fall Angiologe.

Begleitend dazu, sollte, wenn keine Kontraindikation besteht, eine Kompressionstherapie durchgeführt werden. Sowie eine gründliche Hautpflege. ggf. Gewichtsreduktion. 

 


Erysipel

Definition: Auch Wundrose genannt, ist eine Entzündung der Haut, die meist durch Streptokokken verursacht wird.  

Ursachen:

  • Infektion durch Streptokokken 

Diagnostik:

  • Klinische Untersuchung, ausbreitende Rötung und Erwärmung der Haut 
  • Labor Untersuchung, serologische Entzündungsparameter 
  • detaillierte Anamnese  

Symptome:

  • Schmerzen
  • stark Ödematöses und gerötetes Hautareal mit klarer Abgrenzung
  • Haut ist meist Glatt (glänzend) und erwärmt 
  • Schmerzhaft bei Berührung
  • bei starker Ausprägung mit Blasenbildung möglich
  • kann sich über Lymphgefäße ausbreiten
  • Fieber 

Behandlung:

  • Antibiose wie z.B. Cefuroxim, Clarithromycin, Clindamycin, Penicillin G oder V
  • bei beginnendem Erysipel, eine Salbe aus Linimentum ad 99.95% und Dexamethason 0,05% 1-0-1

 


Phlegmone

Definition: Ist eine Diffuse eitrige Bakterielle Entzündung der Haut und des Bindegewebes.

Ursachen: Meist durch Staphylococcus aureus, aber auch durch Gruppe-A-Streptokokken und andere Bakterien

Symptome:

  • Dunkle oder bläuliche Rötung
  • Erwärmung
  • Ödem
  • Schmerz
  • Eiter
  • Fieber

Behandlung: Antibiotika, in schweren Fällen ist auch ein Chirurgischer eingriff nötig


Mykosen

Definition: Bei vielen Mykosen, handelt es sich meist um opportunistische  Infektionen. Meist sind es Faden- und/oder Hefepilze.

Ursachen:

  • Aufgrund von Morbidität
  • Alter
  • Mangelnde Pflege
  • eine bestimmte Disposition

Symptome:

  • scharf abgegrenzte Rötung
  • Juckreiz
  • evtl. Blässchenbildung
  • süßlicher Geruch

Behandlung:

Je nach Schweregrad bis zu 3x tgl. Reinigung und Pflege des betroffenen Hautareals, mit einer Antimykotischen salbe wie z.B. Apolind Wundbalsam mit Nystatin. Salben mit Nystatin im Idealfall auf Öl-Basis, da diese sich leichter ,,Dünn" Applizieren lassen. Reinigung mit klarem Wasser. Entfernung der restlichen Salbe mit Pflege-Öl möglich. Nach Möglichkeit einmal Waschlappen benutzen und häufig das Handtuch wechseln.  


Intertrigo

Definition: Hautschädigung aufgrund von Feuchtigkeit und Reibung.

Ursachen:

  • Feuchtigkeit
  • Mangelnde Hygiene
  • Adipositas
  • Übermäßiges schwitzen

Symptome:

  • Rötung
  • Schmerzen
  • Hautläsionen

Behandlung:

Reinigung mit Klarem Wasser bis zu 3x tgl. . Zinksalbe (Dünn auftragen), einlegen von Vließkompressen oder anderen Stoffen wie z.B. Bauchtüchern (sollten einen hohen Baumwollanteil haben). Evtl. Gewichtsabnahme.


Ekzem in der Wundumgebung

Definition: Hautrötung die Auftritt, wenn Wundexsudat mit gesunder Haut in Kontakt kommt und verbleibt. Dies Schädigt die Hautbarriere und kann die vorhandene Wunde im schlechtesten Fall auch vergrößern.

Ursachen: 

  • Wundexsudat
  • Hautreizungen aufgrund evtl. Allergischer Reaktionen vom Verbandsstoff

Symptome:

  • Rötung
  • Schmerzen beim Reinigen
  • evtl. kleine Hautläsionen

Behandlung:

Hier sollte die Haut geschützt werden, evtl. Anpassung vom Verbandsstoff aufgrund zu hoher Exsudation in Kombination mit zu geringer Aufnahmefähigkeit vom Verbandsstoff. Hautschutz zur Prophylaxe wie z.B. Cavilon-Spray, Barriere cremes. (Achtung kann dazu führen, das Sekundärverband nicht mehr haftet)

Bei akuter Hautrötung können Salben wie z.B. Fucidine Salbe verwendet werden. Patienten mit chronischen Wunden sind häufiger anfällig für das Eintreten von Bakterien oder Pilzen in die Hautbarriere, daher kann man oft davon ausgehen, das bei einer entstanden Rötung in der Wundumgebung ein eintreten von Pilzen, durch die geschädigte Hautbarriere erfolgte, daher Fucidine.


Systematische Übersicht der Hautveränderungen in der Wundversorgung

1. Infektiöse Hauterkrankungen (Bakteriell & Mykologisch)

  • Erysipel (Wundrose): Bakterielle Infektion der oberen Hautschichten. Zeigt sich als scharf begrenzte, flammenförmige Rötung mit Überwärmung, Schwellung und Fieber.
  • Phlegmone: Akute, diffus-eitrige bakterielle Infektion des tiefen Bindegewebes. Ist im Gegensatz zum Erysipel unscharf begrenzt und breitet sich schnell aus.
  • Mykosen (Pilzinfektionen): Häufig durch Candida oder Dermatophyten. Zeigen sich durch rötliche Areale, oft mit weißlichen Belägen, Schuppung und starkem Juckreiz im Wundumfeld.

2. Entzündliche & Feuchtigkeitsbedingte Hautschäden

  • Ekzeme: Nicht-infektiöse Entzündungen der Haut. In der Wundversorgung meist als toxisches Kontaktekzem (durch Wundsekret) oder allergisches Kontaktekzem (Reaktion auf Verbandstoffe/Salben).
  • Intertrigo: Wundsein in Hautfalten (z. B. unter der Brust, Leiste, Bauchfalte) durch Reibung, Schweiß und Feuchtigkeit. Idealer Nährboden für Pilze.
  • Inkontinenz-assoziierte Dermatitis (IAD): Hautschädigung im Sakral- und Genitalbereich durch den aggressiven Kontakt mit Urin oder Stuhl.
  • Mazeration (Flüssigkeits-assoziierter Hautschaden / FAH): Aufgeweichte, empfindliche Wundränder durch anhaltenden Kontakt mit zu viel oder aggressivem Wundexsudat.

3. Gefäßbedingte & Chronische Hautveränderungen

  • Stauungsdermatitis: Entzündliche Hautreaktion am Unterschenkel infolge einer chronisch-venösen Insuffizienz (CVI). Führt zu Rötung, Schuppung, Juckreiz und Ödemen.
  • Dermatoliposklerose: Spätfolge der CVI. Das Unterhautfettgewebe entzündet sich und verhärtet (fibrosiert). Die Haut wird holzartig fest, das Bein nimmt oft die Form einer umgedrehten Sektflasche an.
  • Necrobiosis lipoidica: Chronische Hauterkrankung (oft bei Diabetes mellitus). Zeigt sich durch gelblich-bräunliche, papierdünne (atrophische) Hautflecken mit sichtbaren Äderchen, die leicht aufbrechen.

4. Autoimmunerkrankungen & Seltene Ulzera-Formen

  • Pyoderma gangraenosum: Sehr schmerzhafte Autoimmunerkrankung. Beginnt als Pustel und entwickelt sich rasant zu einem tiefen Geschwür mit einem typischen violetten, unterminierten Wundrand.
  • Vaskulitis: Entzündung der Blutgefäße. Verursacht punktförmige Einblutungen (Purpura) und schmerzhafte Gewebenekrosen durch Durchblutungsstopp.
  • Ulcus hypertonicum Martorell: Extrem schmerzhaftes Geschwür am äußeren Unterschenkel bei schwerem Bluthochdruck. Typisch ist ein bläulich-roter (lividen) Wundrand.

5. Mechanische & Iatrogene Hautschäden

  • MARSI (Medical Adhesive-Related Skin Injury): Hautverletzungen durch medizinische Klebstoffe (z. B. Pflasterabrisse, Blasenbildung unter Folien).
  • Skin Tears (Hautrisse): Traumatische Wunden durch die Trennung von Epidermis und Dermis. Betrifft vor allem die empfindliche Pergamenthaut älterer Menschen.


 

Diagnostische Matrix: Hautverfärbungen und ihre Bedeutung

Verfärbung Krankheitsbild Klinischer Hintergrund
Braun-Grau Hämosiderin-Einlagerung (bei CVI) Austretende rote Blutkörperchen zerfallen; das darin enthaltene Eisen färbt die Haut dauerhaft dunkel.
Scharfes Rot Erysipel / Akute Entzündung Starke lokale Durchblutung (Hyperämie) zur Infektabwehr.
Bläulich-Violett (Livid) pAVK / Ischämie / Martorell Sauerstoffmangel im Gewebe (Zyanose) oder beginnende Gewebenekrose.
Weißlich-Blass Mazeration / Hyperkeratose Chronische Überfeuchtung des Gewebes oder starke Hornhautbildung am Wundrand.
Gelblich-Braun Necrobiosis lipoidica Bindegewebsveränderung und Lipideinlagerungen bei diabetischer Mikroangiopathie.

⚠️ Wichtiger Praxishinweis für pigmentierte (dunkle) Haut:
Bei dunklen Hauttypen zeigen sich Entzündungen oder Druckgeschwüre (Dekubitus Grad 1) oft nicht als Rötung, sondern als violette, bläuliche oder auberginenfarbene Verfärbung, die von Überwärmung, Ödemen oder Gewebeverhärtung begleitet wird.