Dekubitus
Einteilung nach EPUAP/NPUAP/PPPIA nach der Leitlinie 2014
| Beschreibung | Kategorie |
|---|---|
| - Nicht wegdrückbare Rötung | 1 |
| - Teilverlust der Haut (Epidermis und/ oder Dermis), kann sich auch als Blase darstellen | 2 |
| - Schädigung bzw. Verlust aller Hautschichten, oder eine Nekrosenbildung des Unterhautfettgewebes, die sich bis zur Faszie erstreckt | 3 |
| - Ausgedehnte Zerstörung, Gewebsnekrosen sowie schäden an Muskel, knochen und anderen Strukturen, Unterminierungen und Wundtaschenbildungen sind möglich | 4 |
| - Tiefe unbekannt, bei dem die Wunde mit Belägen die Wundtiefe verbirgt | Nicht zuordenbar |
| - Tiefe unbekannt, Livide oder rötlich/brauner, lokalisierter Bereich von verfärbter, intakter Haut, oder eine Blutgefüllte Blase aufgrund einer Schädigung der darunterliegenden Weichgewebes | Vermutete tiefe Gewebschädigung |
Ursachen
Ein Dekubitus (Druckgeschwür) entsteht durch eine anhaltende Druckbelastung, die die Durchblutung der Haut und des darunterliegenden Gewebes beeinträchtigt. Dadurch werden die Zellen nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.
Mechanische Hauptursachen (von außen)
- Druck (Kompression): Liegt oder sitzt ein Mensch über längere Zeit unbewegt auf einer harten Unterlage, werden die feinen Blutgefäße (Kapillaren) zwischen Knochen und Matratze oder Stuhl zusammengedrückt. Das Gewebe erhält dann zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe.
- Druckdauer: Der Körper kann hohen Druck nur kurz und geringeren Druck über einen längeren Zeitraum ausgleichen. Wird die kritische Dauer ohne Entlastung oder Umlagerung überschritten, können Zellen und Gewebe absterben.
- Scherkräfte: Sie entstehen, wenn sich verschiedene Gewebeschichten gegeneinander verschieben – etwa wenn eine Person im Bett nach unten rutscht oder das Kopfteil stark hochgestellt wird. Dabei werden Blutgefäße gedehnt und zusammengedrückt, was die Gewebeschädigung deutlich beschleunigen kann.
- Reibung: Reibt die Haut direkt am Bettlaken, beispielsweise bei häufigem Hin- und Herrutschen, kann die schützende oberste Hautschicht verletzt werden.
Körpereigene Risikofaktoren (von innen)
Bestimmte Faktoren verringern die Widerstandsfähigkeit der Haut und des Gewebes gegenüber Druck erheblich:
- Eingeschränkte Mobilität: Sie ist einer der wichtigsten Risikofaktoren. Gesunde Menschen verändern ihre Lage im Schlaf unbewusst, sobald eine Position unangenehm wird. Bei Lähmungen, Koma, ausgeprägter Schwäche oder Demenz kann dieser Schutzmechanismus eingeschränkt sein oder fehlen.
- Durchblutungsstörungen: Erkrankungen wie die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) oder fortgeschrittener Diabetes mellitus beeinträchtigen die Durchblutung. Unter Druck kann das Gewebe dadurch deutlich schneller geschädigt werden.
- Ungünstiger Ernährungs- und Flüssigkeitszustand:
- Kachexie (starkes Untergewicht): Über knöchernen Vorsprüngen fehlen schützende Fett- und Muskelpolster.
- Dehydration: Ausgetrocknete Haut ist anfälliger für Risse und Druckschäden.
- Feuchtigkeit (Mazeration): Starkes Schwitzen oder Inkontinenz weicht die Haut auf und schwächt ihre natürliche Barrierefunktion.
- Gestörtes Schmerzempfinden: Wenn Druckschmerz nicht wahrgenommen wird, etwa bei Polyneuropathie oder einer Querschnittlähmung, erfolgt häufig keine rechtzeitige Lageveränderung.
Besonders gefährdete Körperstellen
Ein Dekubitus entsteht besonders häufig an Stellen, an denen Knochen dicht unter der Haut liegen und nur wenig Muskel- oder Fettgewebe als Polster vorhanden ist:
- Kreuzbein: vor allem beim Liegen auf dem Rücken
- Steißbeinbereich: insbesondere beim Sitzen
- Fersen und Knöchel
- Trochanter (Hüftknochen): vor allem in Seitenlage
- Sitzbeinhöcker: insbesondere beim Sitzen im Rollstuhl
Dekubitus Kategorien und mögliche Versorgung
Dekubitus Kat. 1
Eine spezielle Versorgung ist hier nicht erforderlich. Entscheidend sind eine korrekte Positionierung und eine konsequente Druckentlastung.
Zusätzlich kann beispielsweise Sanyrene zur Unterstützung eingesetzt werden.
Bei einem Teilverlust der Haut:
Aus meiner Sicht ist ein dünnes Hydrokolloid die beste Wahl.
Dekubitus Kat. 2
Bei Blasenbildung:
Nehmen Sie eine Semipermeable Wundfolie, Punktieren Sie die Blase, wenn die gesamte Flüssigkeit entfernt ist, Desinfizieren Sie die stelle gründlich und Applizieren Sie die Folie. Diese lassen Sie ca. 10 Tage drauf. Wenn Sie die Folie nach dem Angegeben Zeitraum entfernen, ist die Wunde komplett neu Epithelisiert. (Natürlich unter Konsequente Druckentlastung)
Dekubitus Kat. 3
Je nach Wundzustand ist eine individuelle Beurteilung erforderlich. Die Auswahl geeigneter Produkte richtet sich unter anderem nach folgenden Faktoren: Exsudation, Beläge, Wundtiefe, Lokalisation, Grunderkrankungen sowie der Compliance des Patienten und mehr.
Dekubitus Kat. 4
Je nach Wundzustand ist eine individuelle Beurteilung erforderlich. Die Auswahl geeigneter Produkte richtet sich unter anderem nach folgenden Faktoren: Exsudation, Beläge, Wundtiefe, Lokalisation, Grunderkrankungen sowie der Compliance des Patienten und mehr.
Dekubitus nicht Klassifizierbar
Je nach Wundzustand ist eine individuelle Beurteilung erforderlich. Die Auswahl geeigneter Produkte richtet sich unter anderem nach folgenden Faktoren: Exsudation, Beläge, Wundtiefe, Lokalisation, Grunderkrankungen sowie der Compliance des Patienten und mehr.
ACHTUNG: Bitte darauf Achten, dass ein Dekubitus nur an Knochenvorsprüngen entstehen kann! Sollte er in der Analfalte Sitzen oder im Bereich des Gluteus maximus (außer Sitzbeinhöcker) ect. Ist es Wahrscheinlicher eine IAD oder einfach ein Hauteinriss.