Klinischer Leitfaden: Wundabstrich
Ein Wundabstrich dient zur Identifikation von mikrobiellen Krankheitserregern, die eine lokale oder systemische Infektion verursachen oder zu einer Stagnation der Wundheilung führen können. Eine präzise Durchführung sichert die Qualität der mikrobiologischen Diagnostik und verhindert falsch-negative Ergebnisse.
1. Indikationen für einen Wundabstrich
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Klinischer Infektionsverdacht: Klinische Zeichen einer lokalen Infektion (z. B. Überwärmung, Rötung, Schwellung, anhaltender Schmerz).
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Vermehrter Exsudatfluss: Unerwartet hohe oder qualitative Veränderung der Wundflüssigkeit (weist meist auf hohe Keimlast hin).
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Wundgeruch: Spezifischer, unangenehmer Geruch (z. B. süßlich-pfefferminzartig bei Pseudomonas aeruginosa oder fäulnisartig bei Anaerobiern).
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Stagnation der Wundheilung: Verzögerung oder Stillstand der normalen Wundheilung über einen längeren Zeitraum ohne ersichtliche mechanische Ursache.
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Osteomyelitis: Verdacht auf tieferliegende Infektionen der Knochenstrukturen.
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Emphyseme / Gasbrand: Nachweis von Gasansammlungen im Gewebe (Verdacht auf Gasbrand/anaerobe Infektionen).
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Abszesse und Fisteln: Gewebehohlräume mit eitriger Kapsel oder chronische, röhrenförmige Gänge.
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Verdacht auf nosokomiale Infektion: Verdacht auf Infektionen, die im Krankenhaus oder Pflegebereich erworben wurden (z. B. Screening auf multiresistente Erreger wie MRSA).
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Systemische Infektionszeichen: Systemische Infektionszeichen wie Fieber, Schüttelfrost oder Leukozytose bei bestehender Wunde.
2. Kompetenzen und Anordnung
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Ärztliche Anordnung: Die Entnahme eines Wundabstrichs ist eine medizinische Maßnahme und muss grundsätzlich durch den behandelnden Arzt angeordnet werden.
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Initiative durch Pflegekräfte: Pflegekräfte und Wundmanager sollten bei klinischem Verdacht auf eine Keimbesiedlung oder Infektion die Diagnostik beim Arzt anfragen.
3. Korrekte Durchführung
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Zeitpunkt: Der Abstrich muss zwingend vor Beginn einer Antibiose erfolgen, um das Erregerwachstum im Labor nicht zu verfälschen.
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Reinigung vs. Desinfektion: Der Abstrich erfolgt prinzipiell NACH einer oberflächlichen Reinigung und Spülung der Wunde mit steriler Kochsalzlösung (NaCl 0,9%) oder Ringerlösung, aber VOR dem Einsatz von lokalen Desinfektionsmitteln (Antiseptika). Beläge, Nekrosen und abgestorbenes Gewebe müssen vorher sanft entfernt werden, da sonst nur oberflächliche Kontaminationskeime statt der eigentlichen Infekt Erreger erfasst werden.
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Abstrich-Technik (nach Levine): Die Standardmethode ist die Technik nach Levine. Dabei wird das Abstrich-Stäbchen unter leichtem Druck auf sauberem, vitalem Granulationsgewebe rotiert, um Gewebsflüssigkeit aus der Tiefe aufzunehmen. Ein reines „Überstreichen“ von Eiter oder Wundbelägen ist obsolet.
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Wundrand vs. Wundgrund: Wird ein Abstrich am Wundrand durchgeführt, dient dies meist dem gezielten Ausschluss/Nachweis einer MRSA-Besiedlung. Für die allgemeine Infektionsdiagnostik ist das vitale Gewebe im Wundgrund entscheidend.